Schneller werden durch die perfekte Reifenwahl: Teil 1- Reifenbreite

Trittfrequenz, aerodynamische Balance und jetzt die Reifen. Andrés Díaz, unser Performance-Experte, gibt uns einen Einblick in die Welt der Reifen, des Reifendrucks und  der Reifenbreite: seiner Meinung nach der am meisten unterbewertete Bestandteil eines Renn- oder Triathlonrads. Die Reifen deines Fahrrades, egal ob Drahtreifen, Schlauchreifen oder Tubeless, sind das einzige Kontaktelement zwischen dem Fahrrad und der Oberfläche, auf der du dich bewegst. Daher sind die Reifen wahrscheinlich eine der wichtigsten Komponenten überhaupt.

Wir alle wollen das schnellste und leichteste Rad auf dem Markt fahren, die aerodynamischsten und steifsten Laufräder, die wir uns leisten können und der neueste Helm. Wenige Radfahrer nehmen jedoch die Reifenwahl wirklich ernst. Und noch weniger den richtigen Reifendruck. Mit einigen sehr einfachen Änderungen kann jeder die Leistung der Reifen optimieren und damit Watt gewinnen!

 

Etwas Wissenschaft

Wenn wir auf dem Fahrrad sitzen und die Reifen Bodenkontakt haben, dann verformen sie sich. Das ist ganz leicht zu beobachten, wenn wir das Hinterrad unseres Fahrrades in einen Indoor-Trainer einspannen oder mit Freunden unterwegs sind und ihre Reifen achten. Diese Verformung benötigt Energie, die allerdings nicht dazu verwendet wird, um dich und dein Rad vorwärts zu bewegen. Die Konsequenz: Je weniger Verformung, desto besser, da weniger Energie verloren geht.

Die Verformung unserer Reifen hängt von drei Faktoren ab:

  • Reifenbreite
  • Zusammensetzung und Herstellung des Reifens
  • Reifendruck

In diesem ersten Artikel wollen wir uns nur auf die Reifenbreite konzentrieren. Die Zusammensetzung des Reifen und der Reifendruck werden im nächsten Artikel behandelt.

 

Reifenbreite

Radfahren ist und war schon immer eine Sportart bei der die Ausrüstung, Technologien und Theorien eine große Rolle spielen. Aber manchmal ist es auch sehr schwierig Neuerungen einzuführen. Dies liegt vielleicht an der „emotionalen“ Komponente des Radfahrens. Es hat immer einen Kampf zwischen „Traditionalisten“ und modernen und wissenschaftlichen Herangehensweisen zum Radsport gegeben, wie die aktuelle Diskussion um die Scheibenbremsen beweist.

Es wurde über viele Jahre angenommen, dass es notwendig ist, schmale Reifen und einen sehr hohen Reifendruck zu haben, um schnell zu fahren. Seit einigen Jahren ist dieser Glaube widerlegt worden. In der Tat kann man im professionellen Rennradfahrern nur noch selten ein Fahrrad mit einer Reifenbreite von weniger als 25 mm sehen.

Ich habe meine eigene Theorie, warum viele Radfahrer immer noch denken, dass schmale Hochdruckreifen schneller sind: Wenn wir auf der Straße fahren, egal wie neu und wie gut sie asphaltiert ist, gibt es immer Mikro-Unebenheiten. Wenn wir schmale Reifen verwenden, die mit hohem Druck aufgepumpt sind, können diese Mikro-Unebenheiten als Mikrovibrationen auf dem Fahrrad gespürt werden und diese Vibrationen vermitteln ein Gefühl von Schnelligkeit.

Als Analogie aus der Welt des Motorsports (Radfahren und der Motorsport sind sehr eng miteinander verbunden), könnte dieses Beispiel dienen: Wenn man mit einem Seat Panda (altes spanisches Auto) und dem neueste Mercedes-Modell jeweils mit 100 km/h unterwegs ist, fühlt es sich unterschiedlich an. Im Seat fühlt man sich wie in einer Rakete, die gerade abhebt. Während man im Mercedes eigentlich gar nicht merkt, dass man mit 100km/h unterwegs ist und das Tempo als sehr langsam empfindet.

Auf dem Fahrrad entspricht das „Gefühl“ oftmals nicht der Realität. Um sicherzustellen, dass ich keine falschen Schlüsse gezogen habe, sammelte ich mehrere Wochen lang Daten, und der Trend blieb. Das Leistungs-Geschwindigkeits-Verhältnis mit 32-mm-Reifen war besser als mit 23-mm-Reifen.

Heutzutage haben viele von uns einen Powermeter. Ich ermutige daher alle, breitere Reifen zu testen. Dein Powermeter wird dir sagen, ob das „Gefühl“ echt ist oder auch nicht.

 

Fazit

Der erste Rat, den ich dir geben kann: Wähle den breitesten Reifen, der in deinen Rahmen passt. Breitere Reifen haben einen geringeren Rollwiderstand und bieten mehr Komfort auf der Straße. Ein 25mm breiter Reifen ist wahrscheinlich ein guter Kompromiss. Wenn es schlechte Straßen gibt oder du mehr Komfort möchtest, dann nutze einen noch breiteren Reifen. Es gibt fast keine Nachteile bei Reifen mit 28 und mehr mm Reifenbreite außer etwas zusätzlichem Gewicht.

Der zweite Hinweis: Lesen Sie den nächsten Blog über die Zusammensetzung eines Reifens und den Reifendruck. 😉

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